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Präsenz statt Online

Warum die Integralis® Ausbildung vor allem live stattfindet – und was die Lernforschung dazu sagt

31.05.2026 von Gerold Wehde

Eine kleine Szene, die viele kennen

Vielleicht kennst du diesen Moment: Du kommst von einem intensiven Seminarwochenende nach Hause. Im Seminarhaus warst du eingebettet – in gemeinsame Lernschritte, das Kennenlernen völlig neuer Beziehungskompetenzen, in Achtsamkeit und Liebe, kurz: in ein Feld, das dich und andere trägt. In welchem Zustand kommst du nach Hause?

Oder du kennst diese Situation: Du sitzt den Tag vor der Kamera. Du siehst dich selbst und andere in der kleinen Kachel. Du nickst, du verstehst und lernst effektiv. Und trotzdem bleibt da manchmal eine leise Leere: als hätte dein Kopf verstanden, aber dein Körper sei nicht mitgekommen. In welchem Zustand beendest du das Training?

Live-Seminare bei Integralis: Menschen real begegnen

Genau an dieser Stelle beginnt unsere Antwort auf eine Frage, die uns regelmäßig erreicht:

„Bietet die Integralis® Ausbildung auch online oder hybrid an?“

Die kurze Antwort: Nein, nicht als Ersatz für die Präsenzmodule.

Wir nutzen Video-/Audio-Materialien zur Vor- und Nachbereitung und gelegentlich unterstützende Online-Treffen – eingebunden in die Präsenzmodule, nicht statt ihrer.

 

Warum gibt es heute so viele Online-Ausbildungen?

Online-Ausbildungen sind sichtbar geworden, weil sie skalierbar sind, ortsunabhängig funktionieren und sich leichter in volle Kalender integrieren lassen. In der Weiterbildung hat die Pandemie digitale Formate stark verbreitet – viele Anbieter haben Online-Angebote aufgebaut oder erweitert.2

Auch heute bleibt digitale Weiterbildung ein relevanter Markt: Strukturdaten und Trendstudien zeigen, dass Distance-Learning-Formate, kurze digitale Einheiten und KI-unterstützte Lernformen weiter an Bedeutung gewinnen.34

Und warum berichten Lernende trotzdem von einer „Mensch-zu-Mensch-Lücke“?

Viele Menschen schätzen die Flexibilität digitaler Formate – und erleben zugleich, dass zwischenmenschliche Verbindung nicht automatisch entsteht. In Befragungen von Studierenden wurde die Studiensituation im digitalen Semester häufig als schwieriger erlebt – besonders mit Blick auf Kontakte zu Kommiliton*innen und Lehrenden.5

Auch neuere Arbeiten zur psychosozialen Situation zeigen: Fehlender Austausch und reduzierte soziale Einbindung werden in der Online-Lehre immer wieder als Belastungsfaktoren beschrieben.6

Das ist nicht „gegen online“. Es heißt nur: Wenn Beziehung, Resonanz und Kollaboration Lernziele sind, müssen digitale Räume diese Dimension gezielt und professionell unterstützen. Qualitative Studien zur Online-Lehre betonen soziale Interaktion, Kommunikation und Kollaboration als zentrale Erfolgsfaktoren.7

Genau deshalb entstehen an Hochschulen und in der Weiterbildung inzwischen Tools und Methoden, die in Online-Seminaren bewusst Beziehungsaufbau fördern – etwa über soziale Check-ins, klare Interaktionsrituale und aktiv moderierte Austauschformate.8

Was sagt die Lernforschung – ist Online-Lernen „genauso gut“?

Die Forschung zeichnet ein differenziertes Bild: Für viele kognitive Lernziele können Online- und Blended-Formate sehr wirksam sein. Gleichzeitig hängt die Effektivität stark vom didaktischen Design ab – und Unterschiede zwischen Formaten sind in Übersichtsarbeiten oft klein oder kontextabhängig.1

Für Integralis ist entscheidend, welche Kompetenz wachsen soll: Wir bilden nicht nur Wissen ab, sondern eine verkörperte Beratungspraxis. Und hier spielt Präsenz eine besondere Rolle – weil Körper, Raum und zwischenmenschliche Resonanz Teil des Lernmaterials werden.12

10 Gründe, warum Präsenz in der Integralis® Ausbildung den Unterschied macht

1) Warum entsteht Tiefe oft erst „von Mensch zu Mensch“?

Beratung wirkt über Beziehung. Vertrauen, Resonanz und das feine Spüren von Kontakt sind kein Zusatz, sondern Fundament. In Präsenz lässt sich diese Beziehungsfähigkeit trainieren – in einem gemeinsamen Raum, mit realer Nähe und echter Verantwortung füreinander.

2) Wie lernst du feine Wahrnehmung, wenn Sinneskanäle fehlen?

Mikro-Signale – Atem, Muskeltonus, minimale Blickwechsel, räumliche Distanz – sind zentrale Informationen. In Präsenz steht dir eine „hochauflösende“ Wahrnehmung zur Verfügung. Später kannst du diese Kompetenz auch online nutzen – aber sie entwickelt sich am stärksten dort, wo alle Kanäle offen sind.

3) Was macht einen Raum wirklich sicher?

Ein geteilter physischer Raum unterstützt Transparenz, Sicherheit und Co-Regulation – besonders wichtig, wenn wir traumasensibel arbeiten und zugleich Entwicklungsräume öffnen. Präsenz reduziert Unklarheit darüber, wer „mit im Raum“ ist, und erleichtert damit Vertrauen.

4) Warum ist „verkörpertes Lernen“ in unserer Methode zentral?

Integralis ist körperorientiert. Lernen geschieht nicht nur durch Verstehen, sondern durch Erleben, Spüren und Integration. In der Bildungsforschung wird Embodiment als Ansatz diskutiert, der Denk- und Lernprozesse als Zusammenspiel von Körper, Geist und Umwelt versteht – mit Konsequenzen für Unterricht und Lernen.12

5) Warum wirken Übungen in Präsenz oft schneller und nachhaltiger?

Interventionen, Aufstellungen, Emotionsarbeit oder Kontaktübungen entfalten ihre Kraft im direkten Miteinander. Der Unterschied ist wie zwischen „über Schwimmen lesen“ und tatsächlich ins Wasser gehen.

6) Was passiert mit Aufmerksamkeit, wenn das Umfeld ablenkt?

Online sitzt du oft in einer Umgebung, die dich gleichzeitig in deinen Alltag zieht. In Präsenz entsteht ein geschützter Lernraum: weniger Multitasking, mehr Gegenwärtigkeit, mehr Integration.

7) Videokonferenz-Müdigkeit: Warum kann Online-Begegnung anstrengend werden?

Häufige und lange Videokonferenzen können Ermüdung und Erschöpfung begünstigen. Handreichungen und aktuelle Forschung beschreiben typische Auslöser und geben Hinweise zur Reduktion – dennoch bleibt: Für tiefere Prozessarbeit ist Präsenz oft nervensystemfreundlicher.10,11

8) Was ist das „Feld“ der Gruppe – und warum ist es so wirksam?

Gruppendynamik ist nicht Beiwerk. Sie schafft Spiegelung, Mut und kollektive Intelligenz. Viele Wendepunkte passieren nicht im Kopf, sondern im gemeinsamen Resonanzraum – wenn ein Satz gehört wird, der im Körper „landet“.

9) Welche Beziehungen entstehen, wenn Menschen wirklich zusammen lernen?

In Präsenz entstehen Netzwerke nicht nur im Seminar, sondern in Pausen, beim Essen, in spontanen Gesprächen. Diese Beziehungen tragen oft weit über die Ausbildung hinaus – fachlich und menschlich.

10) Wo passieren die wertvollsten Momente?

Oft außerhalb des Plans: im Abendgespräch, auf dem Spaziergang, in einer stillen Minute nach einer Übung. Diese Zwischenräume sind nicht buchbar – aber sie sind häufig genau der Ort, an dem Integration geschieht.

Online kann viel – wenn Beziehung bewusst gestaltet wird

Wir erleben Online-Elemente als sinnvoll, wenn sie klar gerahmt sind: vorbereiten, vertiefen, erinnern, dranbleiben. Damit Online-Lernen nicht „einsam“ wird, braucht es soziale, kognitive und didaktische Präsenz sowie aktive Betreuung – dafür gibt es etablierte Konzepte wie die „Community of Inquiry“.9

Fazit: Präsenz ist bei Integralis eine Qualitätsentscheidung

Unsere Entscheidung ist kein Festhalten an alten Mustern. Sie ist eine bewusste Wahl für Tiefe, Authentizität und nachhaltige Entwicklung – gestützt durch Erfahrung aus über 20 Jahren Ausbildungsarbeit und ergänzt durch Erkenntnisse aus der Lernforschung.

Wenn du wissen möchtest, wie unsere Präsenzausbildung aufgebaut ist und welche Module dich erwarten, freuen wir uns über deine Kontaktaufnahme.

*Die Integralis® Akademie bildet seit über 20 Jahren psychologische Berater:innen aus – mit einem einzigartigen Ansatz, der Körper, Geist und Seele integriert.

 

Fußnoten / Quellen

1. Mayweg, E.; Enders, N.; Bohndick, C.; Rückmann, J. (2023): Online, blended oder Präsenz? Ein systematisches Literaturreview von Metaanalysen zur Effektivität hochschulischer Lehrformate. Zeitschrift für empirische Hochschulforschung (ZeHf), 7(1), S. 96–122. DOI: 10.3224/zehf.v7i1.07.
URL: https://www.pedocs.de/volltexte/2025/34221/pdf/ZeHF_2023_1_Mayweg_et_al_Online_blended_oder.pdf (abgerufen am 04.02.2026)

2. BIBB/DIE (wbmonitor) (2021): Digitale Weiterbildung in Zeiten der Coronapandemie – Entwicklung des Weiterbildungsangebots und Verbreitung von Online- und Präsenzveranstaltungen seit 2020 (Dokumentationsseite).
URL: https://www.die-bonn.de/id/41642 (abgerufen am 04.02.2026)

3. BIBB (2024): Strukturdaten Distance Learning/Distance Education 2024 (Publikation, PDF).
URL: https://www.bibb.de/dienst/publikationen/download/19919 (abgerufen am 04.02.2026)

4. mmb Institut GmbH (2025): mmb-Trendmonitor 2024/2025 – Ergebnisse der Trendstudie „mmb Learning Delphi“ (PDF).
URL: https://www.mmb-institut.de/wp-content/uploads/mmb-Trendmonitor_2024-2025.pdf (abgerufen am 04.02.2026)

5. DZHW (2021): DZHW-Brief 01/2021 – Die Studiensituation in der Corona-Pandemie (PDF).
URL: https://www.die-studierendenbefragung.de/fileadmin/user_upload/publikationen/dzhw_brief_01_2021.pdf (abgerufen am 04.02.2026)

6. Hofmann, Y. E. (2024): Die psycho-soziale Situation von Studierenden in der (post-)pandemischen Hochschule (peDOCS, PDF).
URL: https://www.pedocs.de/volltexte/2024/32089/pdf/Hofmann_2024_Die_psycho-soziale_Situation.pdf (abgerufen am 04.02.2026)

7. Jadin, T. (2022): Soziale Präsenz und Interaktion als Teilaspekte guter Onlinelehre. die hochschullehre, Jahrgang 8. DOI: 10.3278/HSL2223W.
URL: https://die-hochschullehre.de/articles/10.3278/HSL2223W (abgerufen am 04.02.2026)

8. Hochschulforum Digitalisierung (2024): Tool Nr. 3 „Sozialer Check-In“ – Gestaltung von synchroner Online-Lehre auf Basis von Studierendeninterviews (Webseite).
URL: https://hochschulforumdigitalisierung.de/tool-nr-3-sozialer-check-in/ (abgerufen am 04.02.2026)

9. De Witt, C.; Czerwionka, T. (FernUniversität in Hagen) (ca. 2006): Betreuung von Online-Communities of Inquiry (PDF).
URL: https://www.fernuni-hagen.de/bildungswissenschaft/bildung-medien/docs/dewitt_czerwionka_betreuung_von_online-cois.pdf (abgerufen am 04.02.2026)

10. DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) (o. J.): Praxishilfe „Zoom-Fatigue“ – Ursachen, Symptome, Tipps zur Reduktion (Webseite).
URL: https://publikationen.dguv.de/forschung/dguv-akademie-iag/praxishilfen/4428/praxishilfe-zoom-fatigue (abgerufen am 04.02.2026)

11. Klinge, K. (2025): Hochsensibilität und Zoom-Fatigue: Der Einfluss von … (Hogrefe/econtent, Abstract-Seite). DOI: 10.1026/0932-4089/a000448.
URL: https://econtent.hogrefe.com/doi/abs/10.1026/0932-4089/a000448 (abgerufen am 04.02.2026)

12. Awad, S. (2022): Embodiment – Die unterschätzte Rolle des Körpers im Lernprozess: Ein Paradigmenwechsel in der Schulpädagogik? Psychologie in Erziehung und Unterricht, 69(3), S. 149–162. DOI: 10.2378/peu2022.art16d.
URL: https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/vollanzeige.html?FId=3402761 (abgerufen am 04.02.2026)

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