Sehnsucht nach Lebendigkeit

Ein Artikel von Stephan W. Ludwig

Jeder Mensch sehnt sich danach, sich lebendig zu fühlen und sucht nach diesen besonderen Momenten, in denen jede Zelle pulsiert und die Lebensenergie durch den Körper strömt. Manche Menschen suchen eine sportliche Herausforderung oder wagen eine abenteuerliche Reise, andere fühlen sich nach einem intensiven Gespräch lebendig oder wenn sie einem besonderen Rendezvous entgegenfiebern.

Resonanzfähigkeit

Lebendigkeit ist eine Qualität des eigenen, inneren Erlebens, eine persönliche, subjektive Erfahrung. Die Intensität dieses Erlebens hat etwas mit der Bereitschaft und der Fähigkeit zu tun, sich auf das eigene Erleben und auf die eigenen Gefühle einzulassen. Das nenne ich Resonanzfähigkeit. Von der Resonanzfähigkeit hängt es ab, wie viel von dem, was ich in der äußeren Welt wahrnehme, in meine innere Welt gelangt und wie intensiv es dort gefühlt werden darf.

Nicht immer haben Menschen die Fähigkeit, ihre Resonanzfähigkeit selbst zu steuern. Manche Menschen erleben fast alles in hoher Intensität; manchmal genießen sie es und manchmal leiden sie darunter, dass sie sich nicht schützen können. Andere wiederum haben ihre Gefühle über lange Zeit auf Sparflamme gestellt und einige wissen gar nicht mehr, wie sie wieder einen natürlichen Zugang zu ihrer inneren Welt bekommen können.

Die unsichtbare Membran zwischen der äußeren und der inneren Welt

Um das Phänomen des Sich-lebendig-fühlens besser zu verstehen, schlage ich vor, sich in jedem Menschen eine Membran zwischen der eigenen inneren und der äußeren Welt vorzustellen, die mehr oder weniger durchlässig ist. Und je nach Durchlässigkeit können die Wahrnehmungen der äußeren Welt in unsere innere Welt gelangen und dort gefühlt werden. Und in der anderen Richtung geht es um die Stärke und die Spontanität des Selbstausdrucks, also um die  Durchlässigkeit für die eigenen, inneren Impulse, so dass sie für andere sichtbar werden.

Die laute und stille Seite der Lebendigkeit

Wenn wir diesen Gedanken weiter verfolgen, dann können wir eine laute, offensichtliche und eine stille, innerliche Seite der Lebendigkeit unterscheiden.

Die laute Seite zeigt sich in einem Menschen, der viel und gerne von sich erzählt, eine ausdrucksstarke Körpersprache hat und vielleicht viel und laut lachen kann. Vorausgesetzt, dass es sich nicht um ein aufgesetztes, künstliches Verhaltensmuster handelt, können wir das die  Inside-Out-Seite der Lebendigkeit nennen: die inneren Impulse, Gedanken und Gefühle haben es leicht, aus der inneren Welt in die sichtbare äußere Welt zu gelangen.

Das Pendant dazu ist die stille Seite der Lebendigkeit. Dabei geht es um die Vielschichtigkeit und die Intensität des inneren Erlebens, also um die Frage, wieviel aus der äußeren Welt in mein Inneres darf und wie tief es dort gefühlt und empfunden werden kann und darf. Das Erlebnis eines klassischen Konzerts – live oder über gute Kopfhörer – ist dafür ein treffendes Beispiel.

Und natürlich kann die Membran in beide Richtungen zugleich durchlässig sein. Nehmen wir dafür das Beispiel eines Fußballfans beim Besuch eines wichtigen Bundesligaspiels. Manche von ihnen brauchen zunächst einige spannende Spielszenen, die eine hohe emotionale Intensität erzeugen, um dann einfach mal alle Gefühle „rauszulassen“. Andere stimmen sich schon vor dem Spiel mit „Schlachtgesängen“ und anderen Ritualen ein (inside-out), machen die Membran noch durchlässiger und erhöhen dadurch ihre eigene emotionale Schwingungsfähigkeit.

Ein sanfteres Beispiel für die beidseitige Durchlässigkeit der Membran sind die Tränen des Berührt-Seins, die manche Menschen vergießen, wenn sie sich von einer Filmszene zutiefst berühren lassen.  

Chronische Reizüberflutung vermindert die Berührbarkeit

Wir leben in einer Hochgeschwindigkeitsgesellschaft, die eine für die menschliche Seele schwer verdaubare Flut von Reizen und Informationen produziert. Je nach Persönlichkeitsstruktur finden Menschen damit einen besseren oder schlechteren Umgang. Die Membran zwischen der inneren und der äußeren Welt spielt dabei in jedem Fall eine wichtige Rolle.

Einige Menschen vermindern bei chronischer Reizüberflutung ihre Berührbarkeit. Mit anderen Worten: Sie „machen zu“; die Membran wird fester und undurchlässiger und ihre Resonanzfähigkeit sinkt. Natürlich kann sich das von Situation zu Situation auch wieder verändern, aber eine chronische Reizüberflutung führt zu einer dauerhaften Abschottung und Selbstimmunisierung, zu verminderter Berührbarkeit und Schwingungsfähigkeit. Und dann – und das ist der kritische Punkt – ist es nicht mehr so leicht, in den Situationen resonanzfähig zu werden, wo es unser Leben bereichern könnte. Im Kontakt mit Menschen, die einem viel bedeuten, in Situationen, in denen man mit sich alleine ist oder im Beruf, wenn es um Menschenführung und konstruktive Kooperation geht.

Im Extremfall fühlen Menschen sich dauerhaft „unlebendig“ und „vom Leben abgeschnitten“, ohne zu wissen wie es dazu gekommen ist. Wahrscheinlich haben sie unbewusst trainiert, weniger zu fühlen.

Wie die ökonomisierte Gesellschaft Lebendigkeit unterdrückt

Wir leben in einer ökonomisierten Gesellschaft, in der es in hohem Maß um Effizienz und Optimierung geht. Die Zeichen mehren sich, dass die Einseitigkeit dieser Ausrichtung so nicht wirklich zukunftsfähig ist. Aber zurzeit bedeutet es für den beruflichen Alltag vieler Menschen, dass sie eine hohe Anpassungsleistung an die ökonomischen Ziele eines Unternehmens und/oder an die Erwartungen ihrer Vorgesetzten erbringen müssen. Das Korsett der nach wirtschaftlichen Kriterien optimierten Prozesse, die vielerorts den Unternehmensalltag bestimmen, ist eine sehr konkrete Ausprägung dieses Erwartungsdrucks.

Der Ausdruck spontaner Impulse, Gefühle und die Äußerung verrückter Ideen werden im „normalen Alltag“ eher skeptisch beäugt. Zu den unausgesprochenen Erwartungen gehört es, dass Gefühle und Bewegungsdrang kontrolliert, unterdrückt und zurückgestellt werden, bis sich dafür im Privaten ein passender Rahmen bietet. Aber Impulskontrolle kostet Kraft; einige Menschen versuchen den Impulsstau durch exzessives Witzeln abzubauen, andere retten sich durch einen subtilen Rückzug in ihre eigene innere Welt.

Und wo sind die lebendigen, freudvollen Menschen, mit denen wir gerne im Kontakt und in Beziehung sein wollen? Lebendigkeit und Freude sieht man in den Gesichtern und im Körperausdruck; echte Lebendigkeit hat etwas Unberechenbares und das scheint mit den Werten von Effizienz und Optimierung, mit Output-Orientierung und Lean-Management zu kollidieren. Aber ist das wirklich so?

Hier lohnt es sich, differenziert über die kurzfristige und die langfristige Perspektive nachzudenken. Kurzfristig stört echte Lebendigkeit die optimierten Unternehmensprozesse; langfristig aber frisst der optimierte Prozess seine Mitwirkenden. Chronische Erschöpfung und Burnout, psychosomatische Beschwerden und Depression sind längst keine Einzelfälle mehr, sondern Begleiterscheinungen einer Lebensführung, die sich zu stark an Funktionskriterien und zu wenig an Natürlichkeit, an Schönheit und Beseelung und nicht zuletzt am lebendigen Leben orientiert.

Der optimierte Prozess ist eine Kopfgeburt, in der die Freude am lebendigen Leben zu kurz kommen kann; der lebendige Mensch pulsiert und vibriert, fühlt und lacht.

Deshalb plädiere ich im Sinne des gesellschaftlichen Anliegens der Integralis Methode für eine Kultur der Lebendigkeit und Verbundenheit, für mehr Toleranz gegenüber dem Ungewöhnlichen und für eine neue Experimentierfreude für neue Wege, auf denen die Wirtschaft dem Menschen und dem Leben dient. Und wahrscheinlich beginnt dieser Weg mit dem, was jeder Einzelne von uns ganz konkret heute und morgen in seinem Leben tut oder nicht mehr mitmacht.

Hören wir dazu die Worte des Dalai Lama in dem folgenden Zitat: „Der Planet braucht keine ‚erfolgreichen Menschen‘ mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten. Er braucht Menschen, die gut an ihren Plätzen leben. Er braucht Menschen mit Zivilcourage, bereit, sich dafür einzusetzen, um die Welt lebenswert und menschlich zu gestalten. Diese Qualitäten haben wenig mit der Art von Erfolg zu tun, wie er in unserer Kultur verbreitet ist.“

 

Wegweiser – Wege in die Lebendigkeit

Lebendigkeit kann man nicht verordnen aber in unsere Arbeit in der Integralis Akademie verstehen wir es als unsere Aufgabe, Menschen dabei zu unterstützen, mutiger und lebendiger zu leben. An dieser Stelle können wir einige Anregungen geben, die sich bei anderen Menschen bewährt haben. 

  • Spielen Sie und leben Sie spielerischer
  • Tragen Sie ein ungewöhnliches Kleidungsstück und werden Sie für einige Stunden „jemand anderes“
  • Tun Sie etwas, das in Ihrer Kindheit verlockend und verboten gewesen ist
  • Tun Sie etwas, was niemand von Ihnen erwartet
  • Buchen Sie einen erfahrungsintensiven Workshop, in dem Sie niemand kennt
  • Nehmen Sie sich für die Dinge, die Ihr Herz berühren, doppelt so viel Zeit wie normalerweise
  • Sie haben zu wenig Zeit? Kommen Sie zu unserer Tagung nach Kassel „Zeit – der Schlüssel zum Glück“
  • Lassen Sie sich berühren – im doppelten Sinn
  • Treffen Sie sich mit einem Menschen, der in einige Facetten so  lebt, wie Sie gerne leben möchten
  • Holen Sie sich Unterstützung
  • Machen Sie jemanden glücklich
  • Sorgen Sie für Schönheit und orientieren Sie sich etwas mehr am Schönen und etwas weniger am Nützlichen

Schlusswort

Ich möchte mit zwei Zitaten zum Thema Schönheit schließen. Schönheit ist eine Frage der Perspektive, aber bedeutsam ist sie allemal.

Liebe ist die Schönheit der Seele.

Augustinus Aurelius

Ein Mistkäfer ist in den Augen seiner Mutter eine Schönheit.

aus Ägypten

 

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Stephan W. Ludwig:
Telefon: 04543-891542
E-Mail: ludwig@integralis-akademie.de

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Wie Trennung gelingt

Teil 2

Ein Artikel von Stephan W. Ludwig

Dies ist der zweite Teil eines Artikels, in dem ich Ihnen erläutern möchte, welche Überlegungen und Schritte im Vorfeld einer Trennung helfen können, sich innere Klarheit zu verschaffen und welche Fragen im akuten Trennungsprozess beantwortet werden sollten, damit man von einer gelungenen Trennung sprechen kann. Dabei orientiere ich mich an Elementen, die sich in der professionellen Begleitung von Trennungsprozessen als hilfreich erwiesen.

Die ersten drei Schritte habe ich im vorgegangenen Newsletter dargestellt. Die Überschriften dieser Schritte lauteten:

  1. Wertschätzen, was gewesen ist
  2. Verstehen, was ist
  3. Erkennen, wovon man sich trennt

Hier geht es zum ersten Teil des Textes: Teil 1
Und jetzt geht es weiter mit den Schritten 4 bis 8.

4. Erkennen, wofür man sich trennt

Damit eine Trennung wirklich gelingt und damit zu einer Tür für einen erfüllten neuen Lebensabschnitt wird, ist es wichtig, ein positives Bild vom eigenen Leben ohne den Partner zu entwickeln. Wer sich trennt, weil die Partnerschaft unerträglich geworden ist und nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, läuft Gefahr in eine innere Leere zu fallen oder einfach von den Anforderungen des Alltags überrollt zu werden, ohne auf einen eigenen Kurs zu kommen.
Wenn es geklärt ist, wovon man sich trennt (Schritt 3), dann ist es Zeit, nach vorne zu schauen und sich vom Prinzip des „Weg-von“ zu lösen und das „Hin-zu“ zu kultivieren.
Dabei helfen die folgenden Fragen.

  • Welche neuen Möglichkeiten entstehen für mich nach der Trennung?
  • Was will ich wirklich leben?
  • Was wollte ich eigentlich schon immer?
  • Was lade ich in mein Leben ein und wie tue ich das?
  • Was werde ich tun, was ich bisher nicht getan habe?
  • Welchen Herausforderungen werde ich mich stellen müssen und welche Unterstützung brauche ich?

5. Den Preis akzeptieren

Jede Veränderung hat einen Preis. In einer vollzogenen Trennung verlieren wir nicht nur den Partner, sondern auch den Halt der eingespielten Lebensgewohnheiten und die mit der Partnerschaft verbundenen offensichtlichen oder verdeckten Vorteile. Das nennen wir den Preis.

Dabei kann es sich um Gefühle von Einsamkeit handeln, wenn der nächste Partner nicht schon da ist oder vor der Tür steht. Vielleicht wird man einige Menschen aus dem bisherigen Bekannten- und Verwandtenkreis nicht mehr oder viel weniger treffen oder die eigene wirtschaftliche Situation verschlechtert sich und man muss auf manches verzichten. Auch die Gefühle der Verunsicherung gehören zum Preis der Trennung.

Der Preis ist eine gefühlte Größe und er kann in verschiedenen Situationen hoch oder niedrig sein. In jedem Fall empfehlen wir, sich den Preis bewusst zu machen und die Bereitschaft zu kultivieren, ihn ganz anzunehmen.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen wie wichtig es ist, dass man ein Ziel, ein Wunschbild oder einen Leitstern entwickelt, damit man weiß, wofür man den Preis zahlt und ob er angemessen ist.

6. Jetzt erst: Die Entscheidung

Bis zu diesem Punkt sind alle Fragen und Anregungen der Vertiefung des Verständnisses gewidmet: Dem Verstehen der Beziehungsdynamik, dem Verstehen des anderen und vor allem dem Verstehen der eigenen Innenwelt mit allen Gedanken und Gefühlen, die zu einer Trennung dazu gehören. Diese innere Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Welt, mit den verschiedenen Facetten der eigenen Persönlichkeit, die in dieser Situation deutlich werden, das ist vielleicht der allerwichtigste Teil für den eigenen Reifungsprozess.

Jetzt erst – auf einem soliden Fundament der inneren Klärung – kann man eine nachhaltige Entscheidung treffen. Manchmal ergibt sie sich ganz natürlich aus der vorangegangenen Arbeit. Und mit Sicherheit ist sie jetzt deutlicher und klarer und in gefühlten Kategorien auch besser bewältigbar.

Eine Trennung ist vollzogen, wenn man dem anderen die Entscheidung unwiderruflich und im direkten persönlichen Kontakt mitgeteilt hat. Jeder weiß, wie schwierig dieser Moment sein kann. Und gerade deshalb ist es wichtig, diesen Engpass nicht durch die Kommunikation mit modernen Medien zu umschiffen und sich der Situation und den eigenen Gefühlen und denen des anderen zu stellen.

Erfahrene Paar- und Beziehungsberater wissen, dass es auch hier noch ein Zögern geben kann, dem man mit folgenden Lösungen begegnen kann.

Die Beziehungspause

Jetzt oder im Laufe des Klärungsprozesses kann es immer wieder Zweifel geben, ob man die Trennung wirklich will. Und besonders im Moment der Entscheidung kann die Waage wieder in das „Für-die-Beziehung“ kippen. Der Dichter und Philosoph Khalil Gibran sagt es in diesen schönen Worten: „Erst im Moment der Trennung wird uns die Tiefe der Liebe bewusst …“
In solchen Situationen kann eine Trennung auf Zeit, also eine Beziehungspause, in der man in der Rolle des Beziehungspartners nicht für einander zur Verfügung steht, eine gute Möglichkeit sein, sich noch weiter über die Bedeutung des Partners und der Partnerschaft für das eigene Leben klar zu werden. Dabei  sollte der Kontakt auf das Allernötigste beschränkt werden, damit jeder Zeit hat, sich mit sich selbst und den eigenen Gefühlen zu beschäftigen.

Ein Neustart auf Zeit

Umgekehrt kann auch der zeitlich begrenzte Versuch, die Beziehungsdynamik auf ein neues Fundament zu stellen, eine gute Möglichkeit sein, um herauszufinden, was man wirklich will und was miteinander möglich ist.
Dieser Weg macht nur Sinn, wenn man den ursprünglichen Beziehungsvertrag (s. unter Schritt 2) gemeinsam für beendet erklärt und einen Neustart nach neuen, gemeinsam beschlossenen Regeln versucht. Man kann das als eine neue Verlobungszeit verstehen, der allerdings meistens die romantische Komponente fehlt. Zwei oder drei  Monate sind ein bewährter Zeitraum für dieses Experiment.
Der Ausgang ist offen. Manchmal gelingt es, in dieser Zeit Samenkörner  für eine gute gemeinsame Zukunft in den Boden zu bringen. Und manchmal wird man das, was man nicht mehr will, in diesem Rahmen noch einmal ganz bewusst erleben. Noch klarer zu wissen, dass man etwas so nicht will und dass man etwas Neues nicht kreieren kann, muss in diesem Zusammenhang auch als ein Erfolg im Sinne der Klärung verstanden werden. Die Trennungsentscheidung wird vielleicht leichter, weil man noch einmal erlebt hat, dass es gemeinsam wirklich nicht anders geht.

7. Die offenen Fäden aufnehmen und anbinden

Was genau die offenen Fragen sind, die gemeinsam geklärt werden müssen, ist von Lebenssituation zu Lebenssituation sehr unterschiedlich. Zur Veranschaulichung finden Sie hier einige Beispiele:

  • Dem Partner danken und das Gute nehmen
  • Respektvoll mitteilen, was einem auf dem Herzen und der Seele liegt
  • Verzeihen oder um Verzeihung bitten
  • Klären was mit dem gemeinsamen Besitz geschieht
  • Klären, welche Dinge des anderen man behält und was man zurückgeben möchte
  • Klären wie die Elternschaft gestaltet wird, wenn es gemeinsame Kinder gibt
  • Klären, was man in Zukunft noch gemeinsam machen will und wird u.a.m.

Der Königsweg besteht natürlich in einer gemeinsamen Klärung im direkten Kontakt mit dem Partner in Begleitung eines erfahrenen Paarberaters.

Wenn die gemeinsame Klärung nicht möglich ist, stellt die innere Dialog-Arbeit eine gute Möglichkeit dar, um das Wesentliche in einem therapeutischen Setting und in Begleitung eines Beraters oder Therapeuten zur Sprache zu bringen. Das geschieht, in dem man einen leeren Stuhl vor den eigenen stellt und sich vorstellt, dass der Partner, von dem man sich trennen wird, auf diesem Stuhl säße. Innerpsychisch ist es ein riesiger Unterschied, ob man bestimmte Dinge nur denkt oder ob man sie in einem geschützten Rahmen und in Begleitung eines wohlwollenden Zeugen wirklich ausspricht. Laut ausgesprochen werden die Worte wirksam!
Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang der Aspekt der Selbstverantwortung im Rahmen des Trennungsprozesses: Man kann sich gut und vollständig trennen, wenn der Partner nicht oder nur wenig kooperiert. Man braucht weder seine Gegenwart noch seine Zustimmung dazu! Die innere Dialog-Arbeit ist ein konkreter Weg der Verantwortungsübernahme und ein Weg aus der Opfer-Falle.

8. Sich verabschieden

Irgendwann ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Auch das sollte laut ausgesprochen werden.

Manchmal ist es hilfreich, ein persönliches Abschiedsritual durchzuführen. Das kann darin bestehen, etwas zu verbrennen oder sich von einem Gegenstand zu trennen, der mit viel „Bindungsenergie“ aufgeladen ist. Das klassische Beispiel ist der Ehering, der nach der Scheidung nicht mehr getragen wird. In anderen Fällen kann ein individuelles Ritual entworfen werden.

In der Paarberatung kann man den Abschied – mit Fingerspitzengefühl – auch inszenieren, in dem beide Partner aufstehen und der eine den anderen mit den Worten seiner Wahl verabschiedet. Dann kann der andere Partner langsam den Raum verlassen und die Tür hinter sich schließen. Der Abschied ist dann in Wort und Tat vollzogen. Natürlich muss diese Szene anschließend besprochen und verarbeitet werden.

Eine besondere Herausforderung ist es, dem anderen beim Hinausgehen ein glückliches Leben zu wünschen, bestenfalls mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin an seiner Seite. Wenn das möglich ist, darf man von einer Trennung in Liebe sprechen.
Und außerdem würde das bedeuten, dass man den Platz an der Seite dieses Mannes oder dieser Frau wirklich verlassen hat und damit der Platz für einen neuen Partner im eigenen Leben frei wird. Das kann nicht immer im ersten Schritt gelingen und manchmal braucht das Wochen und  Monate. Aber dennoch ist es wünschenswert und sollte nicht vergessen werden, denn dem anderen Glück zu wünschen, bedeutet selber frei zu werden für ein neues glückliches Leben.

Was die acht Schritte leisten können

Das, was ich hier in acht Schritten dargestellt habe, kann natürlich nicht immer so systematisch durchgeführt werden. Meistens gibt es Sprünge und Schleifen, Unterbrechungen und erneute Anläufe. Trennungsprozesse sind unordentliche Angelegenheiten und das Leben bahnt sich seinen Weg meistens wie ein mäandernder Fluss.

Um zu klären, was das Modell wirklich leisten kann, möchte ich das notwendige vom nicht-notwendigen Leid unterscheiden. Das nicht-notwendige Leid entsteht dadurch, dass wir bestimmte Dinge nicht gelernt haben und noch nicht können; das notwendige Leid gehört einfach zum Leben dazu und kann auch durch die besten Handwerkszeuge und Interventionen nicht gelindert werden. Es kann nur angenommen und gefühlt werden.

Auch wenn die Unterscheidung sicherlich fließend ist, so kann man doch sagen, dass Trennungsprozesse für viele Menschen besonders schwierig und leidvoll sind, weil das Umfeld und die eigenen Gedanken zum Thema „Trennung“ den eigentlichen Entwicklungsprozess unnötig belasten und weil es keinen legitimen und gesellschaftlich akzeptierten Weg der guten Trennung gibt.  

Die acht Schritte können helfen, mehr innere Klarheit zu gewinnen, sich im Detail über mögliche Konsequenzen klar zu werden und das nicht-notwendige Leid in großem Maße zu verringern.

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Stephan W. Ludwig:
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Wie Trennung gelingt

Teil 1

Ein Artikel von Stephan W. Ludwig

Über die Zutaten einer erfüllenden Partnerschaft ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Und es ist unbestritten, dass es eine hohe Kunst ist, langjährige und lebendige Beziehungen zu führen.

Und manchmal scheint es so, als ob es immer der bessere Weg wäre, zusammen zu bleiben. Vielleicht liegt das daran, dass Trennung so ein schwieriges Thema ist und es nur wenig praktische Hilfestellungen gibt, wie eine Trennung gelingen kann. Und genau dazu möchte ich heute etwas beitragen.

Unabgeschlossene Trennungsprozesse

Trennungen können viel offensichtliches oder subtiles Leid verursachen. Das hat jeder schon erlebt oder beobachtet. Als erste Orientierung möchte ich zwei Arten misslingender Trennungen unterscheiden.

Die eine zeigt sich in nicht enden wollenden Konflikten, die damit einhergehen, dass man über sehr lange Zeit im realen Kontakt oder in Gedanken mit der unabgeschlossenen Beziehung beschäftigt ist. In diesem Fall ist das Leiden offensichtlich.

Die andere, subtilere Form der misslungenen Trennung ist an der Oberfläche fast symptomfrei, also scheinbar abgeschlossen: Man versteht sich gut, aber wegen der verbleibenden innerpsychischen Bindung an den Ex-Partner findet keine Entwicklung in eine neue freudvolle Beziehungswirklichkeit statt. In diesem Fall besteht das Leid in einem fehlenden Aufbruch.

Misslungene Trennungen, also unabgeschlossene Trennungsprozesse, sind Situationen, in denen zumindest einer der Partner sich in der Ambivalenz zwischen „Noch-in-Beziehung-sein“ und „Wirklich-getrennt-sein“ eingerichtet hat. Für die Anbahnung und Gestaltung einer neuen Partnerschaft ist das ein sehr ungünstiger Zustand. Man könnte sagen, dass der Platz für einen möglichen neuen Partner noch nicht wirklich frei ist.

Ich möchte Ihnen in diesem und dem folgenden Artikel konkrete Möglichkeiten erläutern, die Ihnen bei folgenden Anliegen helfen können:

  • Chronische Konflikte mit dem Ex-Partner durch neues eigenes Verhalten zu befrieden
  • Eine Trennungsentscheidung zu überprüfen
  • Eine Trennung in Liebe vorzubereiten
  • Eine innerlich unabgeschlossene Trennung vollständig zu vollziehen

Trennungen haben einen schlechten Ruf

Schon der Wunsch nach Trennung einer langjährigen Partnerschaft hat den Beigeschmack von einem Scheitern der Liebe, von Schuld und Verrat. Dem Umgang mit Schuldgefühlen im Trennungsprozess könnte man ohne Zweifel ein eigenes Kapitel widmen. Weil der Umgang mit Schuldgefühlen aber über Selbstreflexion nur schwer zu verändern ist, sei an dieser Stelle nur angemerkt, dass offene Schuldzuweisungen oder heimliche Schuldgefühle fast immer zu den schwierigen Begleiterscheinungen eines Trennungsprozesses gehören. Manchmal wird sie endlos hin- und her geschoben, nur um nicht die volle Verantwortung für eine Trennungsentscheidung zu spüren und zu tragen.

Vielleicht ist es eine wenig anerkannte Kompetenz, für schwierige Entscheidungen die ganze Verantwortung zu übernehmen und sich in diesem Sinne auch vordergründig an einem anderen schuldig machen zu können – und gleichzeitig die eigene Integrität und Würde zu bewahren.

Es gibt gute Trennungen

Selten hört man jemanden sagen, dass eine Trennung eine gute Entscheidung ist – auch wenn man niemals weiß, wie es gekommen wäre, wenn man sich nicht getrennt hätte. Aber manchmal sind Trennungen der (einzige?) Weg in einen neuen, frischen Lebensabschnitt.

Damit sei aber nicht gesagt, dass Trennungsprozesse einfach, leicht oder schmerzfrei wären. Ganz im Gegenteil: zur Beendigung der allermeisten, bedeutsamen Beziehungen gehören Schmerz, Enttäuschung, Tränen und Trauer dazu. Und eine so weitreichende Entscheidung braucht ihre Zeit.

Manch einer wird sofort an Trennungen von Paaren mit gemeinsamen Kindern denken. Doch auch in solchen Fällen kann eine Trennung eine gute Lösung sein. Denn wer würde Kindern Eltern wünschen, die zerknirscht eine Familie stabilisieren und die Wahrheit ihres eigenen Lebens verdrängen. Was würden Kinder in solchen Familien für ihr eigenes Leben lernen?

Es gibt viel zu lernen

In den folgenden Abschnitten möchte ich Ihnen erläutern, welche Überlegungen und Schritte im Vorfeld einer Trennung helfen können, sich innere Klarheit zu verschaffen und welche Fragen im akuten Trennungsprozess beantwortet werden sollten, damit man von einer gelungenen Trennung sprechen kann. Dabei orientiere ich mich an Elementen, die sich in der professionellen Begleitung von Trennungsprozessen als hilfreich erwiesen haben.

Die einzelnen Schritte bauen aufeinander auf und ihre Abfolge folgt einer inneren Logik. Dennoch sind sie nicht immer alle gleichermaßen wirksam und manchmal führt schon die aufrichtige Beschäftigung mit einem Punkt zu positiven persönlichen Veränderungen – oder eine andere Abfolge erweist sich als sinnvoll.

Jetzt komme ich zu den einzelnen Schritten. Die ersten drei werde ich in diesem Newsletter erläutern; die fünf weiteren dann im nächsten.

1.    Wertschätzen, was gewesen ist

Wer sich in einem Trennungsprozess befindet oder über die Trennung aus einer langjährigen Partnerschaft nachdenkt, ist häufig mit den schwierigen Aspekten der Beziehung beschäftigt. Das liegt in der Natur der Sache. Die Gedanken, die man sich so ganz für sich alleine macht, neigen dazu, sich in den schwierigen Themen fest zu fräsen – und das innere Bild des Partners (Partner-Introjekt) wird wahrscheinlich mit jeder weiteren Gedankenschleife negativer. Lässt man diesem inneren Prozess freien Lauf, programmiert man in gewisser Weise schon eine Trennung, die auf Abgrenzung und Konflikt basiert.

Deshalb schlage ich vor, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt auf eine wertschätzende Perspektive umzuschwenken. Manche Menschen lassen keine positiven Gedanken zu, weil sie unbewusst glauben, dass sie die Partnerschaft schlecht machen müssen, um „das Recht“ zu haben, sich zu trennen.

Ich empfehle Ihnen also in einem ersten Schritt, sich mit den folgenden Fragen zu beschäftigen und sich – ohne es mit irgendwelchen Konsequenzen in Verbindung zu bringen – für die eigenen ehrlichen Antworten zu öffnen.

  • Was war gut und wertvoll an dieser Partnerschaft?
  • Was habe ich früher einmal an diesem Menschen geliebt?
  • Wofür haben wir uns am Anfang zusammen getan?
  • Wofür bin ich dankbar, wenn ich an unseren gemeinsamen Weg denke?
  • Was hat mein Partner mir ermöglicht? Was hätte ich ohne ihn vielleicht niemals getan?

Es gehört zu den Grundprinzipien der Integralis® Methode, Veränderungsprozesse mit der Wertschätzung der vorausgegangenen Entwicklungen zu beginnen. Nichts in der eigenen Biografie ist nur schlecht gewesen und gerade in Beziehungen hat wahrscheinlich lange Zeit jeder sein Bestes gegeben. Darüber sollte man nicht hinweg galoppieren.

Wenn man sich von seiner Vergangenheit mit negativen Gefühlen abwendet oder gar abstößt, dann bleibt das eigene Bewusstsein in gewisser Weise verengt und angespannt, weil bestimmte Dinge „nicht wieder passieren sollen oder dürfen“. Je mehr Versöhnung mit der eigenen Geschichte stattfindet, desto entspannter schaut man in die Zukunft und desto eher fällt der Blick auf neue und erfüllende Entwicklungschancen.

„An dem, was man von sich wegschiebt,
hat man noch die Hand dran.“

2.    Verstehen, was ist

Auf den Schritt der Wertschätzung folgt das Verstehen der Entwicklungsgeschichte der aktuellen Schwierigkeiten. Dafür gibt es  verschiedene Möglichkeiten. Eine besteht darin, sich den ursprünglichen Beziehungsvertrag bewusst zu machen und zu prüfen, ob man ihn heute noch unterschreiben würde.

Der Beziehungsvertrag

Unter dem Beziehungsvertrag versteht man das, was die Partner am Beginn der Beziehung miteinander vereinbart haben, wahrscheinlich ohne dass sie jemals darüber ausdrücklich gesprochen haben. Der Beziehungsvertrag beinhaltet Vereinbarungen zu  vielen Themenbereichen, die sich normalerweise hinter den schönen Gefühlen einer beginnenden Beziehung verbergen. Warum sollte man auch darüber sprechen, wo die Vereinbarungen doch so viel von dem besagen, was am Anfang so gut zusammen passte?

Ein Beispiel für einen Beziehungsvertrag ist es, dass der eine Partner durch seine soziale Stellung dem anderen eine angesehene Position in der Gesellschaft ermöglicht. An seiner Seite. Als Gegenleistung wird ersterer vielleicht für seine Art, für seine Leistungen oder einfach für sein Sosein bewundert. Das kann eine Weile sehr gut funktionieren und daran ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil, man darf auch noch einmal wertschätzend darauf schauen, was dieser Vertrag in der Vergangenheit ermöglicht hat! Das Problem liegt darin, dass er den Beziehungspartnern nicht bewusst gewesen ist und man deshalb nicht die Möglichkeit hatte, ihn rechtzeitig zu thematisieren und u.U. gemeinsam zu verändern.

Ein anderes Beispiel: Der eine Partner liebt die Spontanität und Lebensfreude des anderen und denkt: Du machst mich und mein Leben aufregend und lebendig. Der andere genießt die Ruhe und Stabilität des Partners usw.. So kann es beginnen.

Aber Beziehungen verändern sich, weil Menschen sich entwickeln und dann andere Wünsche und Ziele haben. Manchmal möchte jemand mehr Dinge ohne den Partner unternehmen; der andere fühlt sich aber verlassen oder gar betrogen, weil im ursprünglichen Beziehungsvertrag stand, dass man alles Schöne und Neue zusammen entdeckt und erlebt. Der alte Vertrag passt nicht mehr und müsste besprochen und verändert werden.

Die Metapher „Beziehungsvertrag“ ist eine Möglichkeit über die eigene Beziehung nachzudenken und die unausgesprochen Erwartungen an die Beziehung herauszuarbeiten.

Polaritäten, die Beziehungspartner auseinander treiben

Ein anderer Zugang zur Analyse der Beziehungsdynamik ist der Blick auf die Konfliktfelder der Paarkommunikation. Sehr häufig streiten Paare über polare Werte wie z.B. „mehr Nähe und Zweisamkeit“ oder „mehr Freiheit, mehr Abenteuer“  oder „mehr Abenteuer, mehr Geld für Schönes ausgeben“ oder „mehr Sicherheit und Altersvorsorge“. Die Liste ließe sich leicht fortsetzen.

Aus meiner Erfahrung in der Paarberatung kann ich sagen, dass es sehr häufig so ist, dass sich solche Polarisierungen im Laufe einer Beziehung eher verstärken: je mehr Nähe und Geborgenheit der eine will, desto mehr Freiheit und Eigenständigkeit will der andere. Die Wünsche des einen bedrohen die Bedürfnisse des anderen.

Beziehungen ranken sich um solche Polaritäten und der Blick für das Schöne im Wunsch des anderen kann verloren gehen. Wer diesen Text liest, könnte in seiner Partnerschaft damit beginnen sich zu fragen, wo man dem eigenen Partner etwas mehr entgegen kommen könnte als bisher. Und ob das eine Entwicklungschance für die eigene Persönlichkeit sein könnte.

Das kann nämlich eine Lösung sein: die Schätze in den Wünschen des anderen wahrzunehmen, ein wenig über den eigenen Schatten zu springen und – für eine begrenzte Zeit – sich in die Welt des anderen (ver-)führen zu lassen und das miteinander zu tun, was für den anderen schön und erfüllend ist. Und sich dabei mit Gefühlen anzufreunden, die man bisher vielleicht eher vermieden hat. Vieles ist lernbar: Eigenständigkeit und Alleinsein genauso wie intensive Nähe, Loslassen und Hingabe.

Und was man davon hat? Dass man sich nicht mehr verteidigen oder zurückziehen muss, sich nicht mehr eng und gelähmt fühlt und wieder einen gesunden Einfluss auf die Beziehungsgestaltung bekommt.

3.    Erkennen, wovon man sich trennt

Der Schweizer Psychotherapeut Peter Schellenbaum hat über die Unterscheidung zwischen einer großen und einer kleinen Trennung gesprochen. Er möchte darauf hinweisen, dass man sich in der Regel von jemandem trennen möchte, weil man ein bestimmtes Verhalten des anderen nicht mehr ertragen kann oder will.

Die große Trennung ist die Trennung von einem Menschen; die kleine Trennung ist die Trennung vom Verhalten eines Menschen. Wenn es gelingt, das Verhalten zu benennen, von dem ich mich trennen möchte, kann man noch einmal neu überlegen, ob es Wege gibt, die Situation durch ein anderes eigenes Verhalten zu verändern.

Habe ich vielleicht sogar selbst etwas zu lernen? Mich zu wehren, besser Grenzen zu setzen oder klarer zu sagen, wer ich wirklich bin und was ich wirklich will? Und könnte es sein, dass dann die schwierige Beziehungssituation noch mal eine andere Bedeutung bekommt?

Und dennoch kann die Trennung meine Lösung sein. Vielleicht sage ich mir, dass ich nichts zu lernen habe oder etwas nicht lernen will. Oder ich frage mich, ob ich das, was ich zu lernen habe mit diesem Partner oder lieber mit einem neuen Partner lernen möchte.  Dabei ist es unstrittig, dass es leichter ist, mit einem neuen Partner eigene Gewohnheiten zu verändern und mit neuem Verhalten zu experimentieren als im gewohnten Umfeld. Aber noch sind wir mit dem Verstehen und Erkennen beschäftigt und nicht an dem Punkt, wo es darum geht, eine Entscheidung zu treffen.

Den zweiten und letzten Teil dieses Artikels lesen Sie im nächsten Newsletter.

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