Artikel zum Thema | Akademie Newsletter No. 37 - Oktober 2020

WeQ – kollektive Intelligenz als Wegweiser zu mehr Gemeinschaft

Der Megatrend `Individualismus´ hat seinen Höhepunkt überschritten und es gibt eine wachsende Sehnsucht nach Gemeinschaft. Ich denke dabei an Wohnprojekte, alternative Formen von Teamarbeit (Agilität) und liebevolle Beziehungen. Rein materiell ausgerichtete Lebensentwürfe verlieren zunehmend an Attraktivität.

Aber wenn Gemeinsamkeit konkret wird, dann erleben wir, wie stark individualistisch für doch geprägt sind. Persönlichkeitsanteile, die uns in der Vergangenheit „vorangebracht“ und stark gemacht haben, können jetzt zu Stolpersteinen werden. Die klassischen Erfolgsfaktoren wie Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen, Sachkenntnis und einen scharfen Geist, Geschwindigkeit und Dominanz kann niemand ad hoc wieder ablegen. Und ganz sicher sind es nicht die Qualitäten, mit denen wir die Arbeits- und Beziehungswelt von morgen gestalten werden. Es ist schon viel gewonnen, wenn wir uns eingestehen, dass es auch hinderliche Anteile und Gewohnheiten in uns gibt und dass wir lernen dürfen, damit umzugehen und darüber hinauszuwachsen. Auf dem Weg zu mehr `Wir´ kann der Begriff WeQ wie ein Wegweiser sein.

WeQ ist natürlich eine Anspielung auf den IQ, den individuellen Intelligenzquotienten. Beim WeQ, der kollektiven Intelligenz, geht es um eine Intelligenz, die sich nicht im Individuum verorten lässt, sondern irgendwo in den Zwischenräumen, den Beziehungsfeldern, in der Qualität des gemeinsamen Feldes, dem WIR.

Ob es das wirklich gibt? Sind sie schon mal in einen Besprechungsraum gekommen, in dem „dicke Luft“ gewesen ist? Wie lange haben sie gebraucht, um diese konflikthafte Feldqualität wahrzunehmen? Natürlich haben Sie es sofort gespürt!

Denn jeder Mensch hat einen inneren Radar für die Feldqualität, sei sie unterstützend oder belastend oder irgendwie dazwischen. Aber in der Vergangenheit haben wir diesen Wahrnehmungen nur selten große  Bedeutung beigemessen. Und genau das können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten.

Die Qualität der Kommunikation, der Lerneffekte und der Erkenntnistiefe sind direkt von der Feldqualität abhängig. Wir können uns so verhalten, dass die Feldqualität sich verschlechtert oder so, dass sie förderlich für unsere Ziele und unsere emotionale Balance wird. Fähigkeiten, die wir in der Individualismus-Welle ausgebildet haben, sind Qualität und Stolperstein zugleich um die Feldqualität positiv zu beeinflussen.

Ich möchte Ihnen einige Elemente nennen, wie wir in unserer Seminararbeit den WeQ begünstigen und die sich auch in der Beratung von Organisationen bewährt haben.

  1. Langsamer werden
  2. Erst sprechen, wenn man mit sich selbst in innerem Kontakt ist, d.h. weiß, was einen innerlich bewegt und motiviert
  3. Verstehbar und fühlbar für andere werden
  4. Eigene Ideen als Vorschlag und eigene Bedürfnisse als Wunsch kommunizieren
  5. Und immer wieder gemeinsam still werden und gleichzeitig (!)
    • die eigenen Körperempfindungen wahrnehmen,
    • die eigenen Gedanken wahrnehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen,
    • eigene Gefühle ernst nehmen und als Hinweise auf eigene Bedürfnisse erkennen
    • und den evolutionären Impuls wahrnehmen.

Der Schlüssel, mit dem wir den inneren Schwerpunkt vom Ich zum Wir verlagern können, ist unsere eigene Bereitschaft, uns selbst nicht mehr als Zentrum des Lebens zu betrachten, sondern mehr auf das zu lauschen, was unabhängig davon, ob es mir passt oder nicht, jetzt sichtbar wird oder geschehen will. Das ist anspruchsvoll – und überaus erfüllend. Und es kann dazu führen, dass wir den verlorenen Zauber des Lebens wiederentdecken.

Neugierig geworden auf ein neues Gleichgewicht von Ich und Wir? In unseren Seminaren und Weiterbildungen können Sie es konkret erleben!